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Kyocera Document Solutions / Alos-Übernahme
Unter Zugzwang

Kyocera Document Solutions kauft mit Alos ein führendes DMS-Systemhaus zu. Damit landet Geschäftsführer Dietmar Nick einen Coup, der ihm helfen könnte, mehrere, lästige Fliegen mit einer Klappe zu schlagen.

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Kyocera Document Solutions kauft mit der Alos GmbH („Alos Solutions“) eines der führenden Systemhäuser für Scan-Lösungen und digitale Dokumenten-Management-Systeme (DMS) im deutschsprachigen Raum. 85 Mitarbeiter in Deutschland und der Schweiz betreuen eigenen Angaben zufolge mehrere tausend Kunden mit teils weltweiten Installationen.

Zu den Kernkompetenzen von Alos Solutions zählen u.a. die Realisierung von Datenerfassungslösungen mit vollautomatisierten Workflows und die gesetzeskonforme Archivierung von Dokumenten. Das Kölner Unternehmen vertreibt dafür Hardware und Software von Drittanbietern sowie eigene Software-Lösungen. „Wir bieten zukünftig zugeschnittene Angebote aus Beratung, Software, Hardware und Services, um die Geschäftsprozesse der Kunden effizient zu gestalten – und das aus einer Hand“, sagt Dietmar Nick, Geschäftsführer der Kyocera Document Solutions Deutschland GmbH.

Nick hat stets ein feines Gespür für gute Gelegenheitskäufe bewiesen 

Es ist nicht das erste Mal, dass Nick ein feines Gespür für gute Gelegenheitskäufe beweist. Bei der AKI GmbH in Würzburg, einem Spezialisten für professionelles Print-Management, wurde 2012 ein potenter Käufer gesucht, weil der Gründerchef in Ruhestand ging. Die Bielefelder Ceyoniq brauchte 2015 einen finanzstarken Investor. Beide Unternehmen gehören heute zum Kyocera-Konzern, an beiden Deals war Nick maßgeblich beteiligt. Bei Alos Solutions kam ihm offenbar die Tatsache zu Gute, dass der DMS-Distributor Spigraph, zu dem Alos Solutions bislang gehörte, nach der Fusion mit dem französischen IT-Dienstleister Everteam im April dieses Jahres offenbar keine Verwendung mehr für das Kölner-Systemhaus sah.

Alos Solutions erwirtschaftete zuletzt einen Jahresumsatz von rund 15 Millionen Euro. Die Übernahme liegt damit in der gleichen Größenordnung wie die von Ceyoniq. Der Kaufpreis habe im „marktüblichen Rahmen“ gelegen, teilt Nick auf unsere Anfrage mit. Friedhelm Schnittker, Vertriebschef von Alos Solutions, soll künftig die operativen Geschäfte leiten. Als Geschäftsführer rücken Nick sowie zwei japanische Manager des Kyocera-Konzerns ins Management auf.

Aufbau eines Software-Vertriebs hinkt Erwartungen hinterher

Nick, viele Jahre Vertriebschef und seit April 2017 Geschäftsführer, steht für den Anspruch, die deutsche Niederlassung ins digitale Zeitalter zu führen. Allein deshalb passt Alos Solutions gut ins Konzept. Zum Thema „Scannen“, der Schwelle von der analogen in die digitale Welt, hatten die Meerbuscher bislang weder Hardware- noch Service-seitig etwas zu bieten.

Zudem bietet ihm die überraschende Übernahme die Chance, zwei weitere, sehr lästige Fliegen mit der gleichen Klappe schlagen. Denn der Aufbau eines funktionierenden Software-Vertriebs hinkt den eigenen Erwartungen seit Jahren hinterher. Und der Rückstand auf einen der größten Rivalen im Markt, die Konzernschwester TA Triumph Adler, wächst.

Mit TA Triumph Adler sitzt der größte Konkurrent im eigenen Haus

Vor etwa sechs Jahren hob Nick den Software-Vertrieb bei Kyocera Document Solution in Meerbusch aus der Taufe. Anschließend wechselten die Konzepte, der Durchbruch aber gelang bislang nicht. Die Frage, wie sich DMS-Lösungen profitabel an kleinere Firmen verkaufen lassen, mündeten bei dem Drucker-Hersteller in einer schier endlosen Testschleife. Die Folge: Aktuell steuert der Bereich DMS einen Umsatz von knapp 1,3 Millionen Euro zum Jahresumsatz bei. Zu wenig, um sich nach außen glaubhaft als Digitalisierungs-Dienstleister zu präsentieren.

Aber auch im eigenen Konzern dürfte das japanische Management das Wirken des Deutschland-Chefs mit Argus-Augen beobachten. Schließlich sitzt mit der TA Triumph Adler GmbH in Norderstedt der größte Konkurrent und damit der beste Vergleich im eigenen Haus. Die Geschäftsführer beider Unternehmen berichten an den gleichen Chef.

Nicks Problem: Die TA Triumph Adler weist seit fünf Jahren steigende Umsätze aus. Der deutsche Kyocera Document Solutions dagegen fiel im Geschäftsjahr 2017 hinter das Niveau von 2015 zurück (-> Tabelle).

Bezüglich der jüngsten Ergebnisse zeigen sich die beiden Schwestern unterschiedlich auskunftsfreudig. TA Triumph Adler veröffentlichte die Ergebnisse für das Geschäftsjahr 2018, das am 31. März 2018 endete, schon wenig später im April. Die Kyocera Document Solutions Deutschland GmbH hingegen nennt ihre Ergebnisse nicht. Eine selbstbewusste PR sieht anders aus.

Zusammenarbeit mit Vertriebspartnern muss neu justiert werden

Wie sehr Nick die erfahrene Vertriebsmannschaft von Alos Solutions zu brauchen scheint, zeigt auch die Tatsache, dass der Zukauf den langjährigen Anspruch seines Unternehmens, ausschließlich über Partner zu vertreiben, endgültig konterkariert. Es ist noch nicht lange her, da wurde das in jedem zweiten Satz ausdrücklich betont. Jetzt kauft sich Nick mit Alos Solutions eine schlagkräftiges Vertriebsteam zu, das den direkten Kundenkontakt pflegt.

Wie die Partner auf diese Zeitenwende reagieren, bleibt abzuwarten. Beide Seiten werden ihre Zusammenarbeit wohl neu justieren müssen.

Tabelle 

Schwesterkampf

Unternehmen

TA Triumph Adler GmbH

Kyocera Document Solutions D. GmbH

Geschäftsjahr 1

Umsatz (Mio. €)

Umsatz (Mio. €)

2018

301,6

k.A.

2017

285,2

262,1

2016

281,3

276,0

2015

267,8

263,8

2014

254,1

259,0

2013

251,5

261,8

2012

270,0

254,6

Quelle: Unternehmen; 1.4. bis 31.3.


Veröffentlicht am 07.07.2018



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