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Cancom SE / Management
Auf in den Abwehrkampf

Gründer-Chef Klaus Weinmann zieht sich überraschend aus dem Vorstand des Digitalisierungs-Dienstleisters Cancom SE zurück. Nur so, das legen die aktuellen Entwicklungen nahe, kann er sein Lebenswerk vor einer feindlichen Übernahme retten.

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Klaus Weinmann, Gründer und Vorstandschef des IT-Dienstleisters Cancom SE, wird seinen Posten Ende September frühzeitig räumen. Er wolle sich verstärkt auf seine unternehmerischen Aktivitäten in der Primepulse-Gruppe konzentrieren, meldet das Unternehmen. „Eine Neujustierung meiner täglichen Zeiteinteilung wird durch das schnelle Wachstum von Primepulse nötig“, bloggt er auf LinkedIn. „Wir werden in den kommenden Monaten große Schritte sowohl mit Cancom als auch mit der gesamten Primpulse-Gruppe vorwärts gehen.“

Als seinen Nachfolger im Amt des Vorstandschefs hat der Aufsichtsrat Thomas Volk für die Laufzeit von fünf Jahren bestellt. Volk ist seit 1. November 2017 President & General Manager sowie Vorstandsmitglied bei der Cancom SE.

Primepulse SE ist eine Beteiligungsgesellschaft, zu der aktuell weltweit rund 80 Unternehmen gehören. Weinmann hob das Unternehmen gemeinsam mit Raymond Kober und Stefan Kober aus der Taufe, so wie einst Cancom vor 26 Jahren. Nun startet das Trio noch einmal durch – als Investor, nicht als Dienstleister.

Weinmann hat ein wachsendes Problem: Er ist nicht Herr im eigenen Haus

Vor allem Weinmann hat aus einem kleinen Apple-Händler Deutschlands drittgrößtes unabhängiges Systemhaus gezimmert. Im Geschäftsjahr 2017 lag der Umsatz bei 1,16 Milliarden Euro. In den nächsten vier Jahren soll er sich laut Weinmann noch einmal verdoppeln.

Doch Weinmann hat ein wachsendes Problem: Trotz aller Erfolge ist er nicht Herr im eigenen Haus. Über Primepulse hielt er im März 2017, so weist es der letzte Geschäftsbericht aus, lediglich 10,1 Prozent der Aktien. Zu wenig, um eine feindliche Übernahme abzuwehren.

Vor allem ausländische Investoren haben zuletzt ihren Einkaufswagen kräftig durch Weinmanns Heimat Bayern geschoben. Der Roboter-Hersteller Kuka, der Autozulieferer Kuka oder Lampenhersteller LEDvance haben heute chinesische Besitzer. Im Markt für Digitalisierungs-Dienstleistungen wäre Cancom ein hervorragender Brückenkopf. Und fast 80 Prozent der Aktien befinden sich im Streubesitz.

Cancom SE ist aktuell vergleichsweise günstig zu haben

In der Vergangenheit wirkte der stetig steigende Aktienkurs des Unternehmens wie ein Schutzschild gegen eine feindliche Übernahme. Erst im Mai 2018 kletterte er auf den historischen Höchststand von 52,45 Euro. Seitdem aber ging es steil bergab. Aktuell notiert das Papier bei unter 40 Euro. An der Börse ist die im Tec-Dax gelistete Cancom SE nur noch rund 1,4 Milliarden Euro wert und damit vergleichsweise günstig zu haben. Offenbar sieht sich Weinmann gezwungen zu handeln.

Der Rückzug aus dem Vorstand ist in diesem Zusammenhang nur konsequent. Einem Vorstandschef, der massiv eigene Aktien kauft, rückt unweigerlich die Börsenaufsicht auf die Pelle. Zu groß wäre die Skepsis, dass hier Insider-Wissen zum eigenen Vorteil missbraucht werden könnte. Weinmann benötigt noch 15 Prozent, um sich zumindest eine Sperrminorität zu sichern. Dafür müssten er bzw. Primepulse aktuell rund 200 Millionen Euro investieren.

Gut möglich, dass Weinmann sich diese Anteile sogar bereits gesichert hat. Darauf lässt eine Aussage in seinem LinkedIn-Blog schließen. Er werde innerhalb der Cancom aus dem Vorstand in den Aufsichtsrat wechseln, kündigt er dort an. Das aber ist laut der Cancom-Statuten für ehemalige Vorstände nur nach Ablauf einer Frist von zwei Jahren möglich – oder aber, wenn der Kandidat 25 Prozent der Aktien hinter sich vereinen kann.

Veröffentlicht am 30.08.2018