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Xerox / Management
Neue Frontfrau für Fechner

Xerox Deutschland tauscht die Spitze des Channel-Managements aus. Im Überlebenskampf braucht der Kopierer-Pionier Führungskräfte, die ohne Arroganz gegenüber den Partnern und dem eigenen Niedergang agieren.

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Wechsel an der Spitze des deutschen Channel-Managements: Nicole Poepsel-Wunderlich löste Anfang September Peter Kratky ab, der sich laut einer Firmenmeldung „neuen Herausforderungen außerhalb des Unternehmens widmet“. Poepsel-Wunderlich berichtet an Jacqueline Fechner, die Vorsitzende der Geschäftsführung von Xerox in Deutschland.

Der Wechsel ist mehr als eine Personalie. Er ist für Branchenbeobachter ein klares Indiz dafür, dass der kriselnde US-Konzern im Überlebenskampf dringend neue Führungskräfte braucht.

Wirtschaftlich zielt die Leistungskurve steil nach unten

Vor vier Monaten schien das Schicksal von Xerox besiegelt zu sein. Der frühere Vorstandschef Jeff Jacobsen plante, das Unternehmen mehrheitlich an den japanischen Fuji-Konzern zu verkaufen. Dagegen wehrten sich allerdings die Investoren Carl Icahn und Darwin Deason. Sie zogen vor Gericht – und gewannen. Seitdem führt John Vasentin, ein Gefolgsmann Icahns, das Unternehmen. Er soll, so sein Auftrag, eine „ehrliche und robuste Suche nach strategischen Alternativen“ einleiten.

Wirtschaftlich zielt die Leistungskurve des Unternehmens nach wie vor steil nach unten. Wie dramatisch die Entwicklung ist, zeigten die jüngsten Halbjahreszahlen. Von Januar bis Juni 2018 rutschte der Umsatz um 1, 5 Prozent unter die psychologisch wichtige Umsatzmarke von fünf Milliarden US-Dollar ab. Die Umsatzrendite stürzte sogar in den Keller – von 4,3 auf 2,8 Prozent innerhalb eines Jahres.

Bis dato stellt Vasentin vor allem sein Führungspersonal neu zusammen. Seine jüngste Akquise: Joanne Collins Smee, die seit Anfang September als oberste Vertriebschefin bei Xerox agiert und u.a. für die Channel-Strategie verantwortlich zeichnet. Smee kommt von der US-Zentralbank und war viele Jahre für IBM tätig.

Auch Poepsel-Wunderlich, Smees Brückenkopf für Deutschland, ist kein Xerox-Eigengewächs. Sie kommt von Hewlett Packard Enterprise und arbeitete zuvor für Dell.

Kratky: Nur Engagement, keine Erfolge

Bei ihrem Vorgänger Kratky bedankte sich Deutschland-Chefin Fechner zum Abschied artig, allerdings nur für sein Engagement, nicht für etwaige Erfolge. An die können sich auch Unternehmenskenner nicht erinnern.

Kratky kam 2012 von der österreichischen Landesgesellschaft zu Xerox Deutschland. Er folgte auf Christoph von Poser, der nach nur drei Jahren mit seinen hochtrabenden Plänen und Versprechungen an den Realitäten gescheitert war. Kratky setzte keine schlüssige Turnaround-Strategie auf, sondern legte sich lieber gleich zu Anfang seiner Amtszeit mit den eigenen Konzessionären an. Zweien kündigte er sogar die Partnerschaft, wirkte dabei aber wenig souverän. Damit wurde er zum Symbol einer Haltung, die viele dem Xerox-Management bis heute nachsagen: Arroganz gegenüber den eigenen Absatzmittlern und Arroganz gegenüber dem eigenen Niedergang.

Halber Umsatz in zehn Jahren

Dieser drückt sich auch in Deutschland in Zahlen aus. Im Geschäftsjahr 2006 erwirtschaftete Xerox hierzulande noch 214 Millionen Euro Umsatz. Zehn Jahre später war es nur noch die Hälfte. Die Folge: In der Rangliste der Drucker-Hersteller rangiert der Kopierer-Pioniere auf den hinteren Plätzen.

Gleichwohl agierte Kratky bis zuletzt wie in einem Großkonzern. Noch im Sommer 2017 verschickte er eine lange Pressemitteilung, in der er die Umstrukturierung seiner Vertriebsabteilung, die nach der Trennung vom IT-Dienstleistungsgeschäft notwendig wurde, minutiös und mit ihm an der Spitze aufschlüsselte – als ob dieser Umbau außerhalb der Xerox-Welt irgendjemand interessierte. Was die operativen Prozesse betraf, hätte ein Brief an die überschaubare Zahl der Vertriebspartner sicherlich die gleiche Wirkung erzielt. Doch Kratky war nie bekannt dafür, dass er einen engen Draht zu seinen Kunden pflegte.

Einer Newcomerin allein kann Trendwende im Traditionskonzern nicht wuppen

Man darf gespannt sein, ob Poepsel-Wunderlich diesen kurzen Draht knüpfen kann. Für eine erfolgreiche Zusammenarbeit ist er unabdingbar. Weitere Wechsel in der Führungsetage von Xerox Deutschland kämen ihr dabei sicherlich entgegen. Von einer Newcomerin allein lässt sich die Trendwende im Traditionskonzern nicht wuppen.

Veröffentlicht am 18.09.2018