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Digitalisierung / Messewirtschaft
Schwerer Schlag gegen die CeBIT

Vom 20. bis 22. November 2018 findet in Berlin erstmals die Smart Country Convention statt. Die Fachmesse will sich als Treffpunkt zur Digitalisierung der öffentlichen Verwaltung etablieren. Der CeBIT in Hannover droht damit mittelfristig ein weiteres Standbein wegzubrechen.

Teamarbeit

„Die Digitalisierung des Public Sector konstituiert allein in Deutschland einen Markt, der größer als 50 Milliarden Euro ist“, sagt Christian Göke, Geschäftsführer der Messe Berlin. „Für diesen Markt werden wir erstmals eine eigenständige Plattform errichten, die den spezifischen Anforderungen der Marktteilnehmer gerecht wird.“

Als Kombination aus Kongress, Ausstellung, Workshops und Networking will sich die Smart Country Convention der Digitalisierung von Städten, Gemeinden und des öffentlichen Raums widmen. Dabei soll es sowohl um die digitale Verwaltung als auch um die Digitalisierung öffentlicher Dienstleistungen in den Bereichen Energie, Mobilität, Sicherheit, Abfall, Wasser, Bildung, Gesundheit und Wohnen gehen.

Smart Country Convention: Klotzen statt kleckern zur Premiere

Schon zur Premiere können die Veranstalter der Smart Country Convention klotzen statt nur kleckern. Die Schirmherrschaft für die neue Veranstaltung hat der Bundesminister des Innern, für Bau und Heimat, Horst Seehofer, übernommen. Er soll, sofern nichts dazwischen kommt, auch die Eröffnungsrede halten. Als Partnerland ist Dänemark zu Gast. Bei der Digitalisierung gelten die Skandinavier als Vorreiter. Der Digitalindex der Europäischen Union „Desi“ führt das Land auf 1 aller 28 EU-Länder. Und auch aus der Industrie hat die Prominenz ihr Kommen angesagt. Als Premium-Partner agieren mit SAP, T-Systems und Bechtle drei der Top-Digitalisierungs-Dienstleister aus Deutschland. Insgesamt haben sich bis Mitte Oktober rund 120 Aussteller registriert.

Bei der Smart Country Convention kann die Messe Berlin auf viel Erfahrung zurückgreifen. Bei der IFA hat den Anspruch, eine weltweite Leitmesse für Unterhaltungselektronik zu sein, seit vielen Jahrezehnten wahren können.

Mit der ConhIT hob sie 2010 zudem eine Messe für die Digitalisierung des Gesundheitswesens aus der Taufe, die ihre Besucher- und Ausstellerzahlen innerhalb von acht Jahren in etwa verdreifachte. 2019 findet die Messe erstmals unter dem Titel „DMEA (Digital Medical Expertise & Applications” statt. Mit der Umbenennung wird das Ziel verknüpft, die Messe jenseits der IT für neue Ziel- und Fachgruppen aus der Gesundheitsversorgung zu öffnen.

Vorbild: ConhIT verdreifacht Besucher- und Ausstellerzahlen

Auch für die Smart Country Convention gibt es bereits Zukunftspläne. Sie soll über 2018 hinaus jeweils zum Jahresende stattfinden.
Vor allem für die CeBIT ist das ein schwerer Schlag. Denn mit der Smart Country Convention entsteht mitten in der Hauptstadt ein ernst zu nehmender Konkurrent beim Zukunftsthema Digitalisierung. Er zieht zudem eine Menge langjähriger Stammaussteller mit nach Berlin, u.a. DocuWare, Windream oder D.velop. Sollten diese Firmen Geschmack an der Berliner Veranstaltung finden, könnten sie ihre Auftritte in Hannover womöglich bald canceln.

Auch die Tatsache, dass der Industrieverband BITKOM als Kooperationspartner den Taufpaten der neuen Messe mimt, dürfte in Hannover die Alarmglocken schrillen lassen. Bislang hielt der BITKOM mangels Alternativen der CeBIT treu die Stange. Bei boomenden Digitalisierungs-Veranstaltungen wie der ConhIT oder der Sicherheitsmesse it-sa in Nürnberg spielt er keine Rolle.

CeBIT: Die trüben Aussichten werden nicht besser

Sollte die Smart Country Convention erfolgreich sein, könnte der CeBIT sogar ein weiterer, traditioneller Schwerpunkt wegbrechen. Der „Public Sector“ war in den vergangenen Jahren kontinuierlich zusammengeschrumpft. In diesem Jahr gab es nicht einmal mehr einen eigenen Titel für dieses Klientel.

Und die trüben Aussichten werden nicht besser. Nach dem Hick-Hack der vergangenen Jahre hat die CeBIT-Leitung für 2019 schon wieder gravierende Veränderungen angekündigt. Statt vier wird es nur noch drei inhaltliche Schwerpunkte geben. Zudem findet die Messe wieder an fünf statt an vier Tagen statt.

Die größte Crux aber dürfte der neue Termin für 2019 sein. Im nächsten Jahr startet die CeBIT am 24. Juni und dauert bis zum 28. Juni. Viele potenzielle Besucher befinden sich zu diesem Zeitpunkt schon ganz woanders – in den Sommerferien.


Veröffentlicht am 21.10.2018