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DIGI.REPORT

SAP-Anwender / Reaktionen
Widerspruch auf offener Bühne

Wie weit sind die SAP-Anwender in Ihrer digitalen Transformation fortgeschritten? Der Jahreskongress der Deutschsprachigen SAP-Anwendergruppe (DSAG) förderte gleich zwei Hinweise zu Tage, die unterschiedlicher nicht hätten sein können. Eine Zusammenfassung der Geschehnisse auf dem DSAG-Jahreskongress in drei Akten.

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1. Live contra online

Dieses Ergebnis hatte das Protokoll sicherlich nicht so vorgesehen. Schließlich widersprach es allen Statistiken, die die DSAG-Verantwortlichen extra für diesen Tag vorbereitet hatten. Man könne das in zwei Richtungen interpretieren, würde der DSAG-Vorstandsvorsitzende Marco Lenck später sagen. Entweder die Leute hätten sich nicht melden wollen. Oder aber sie betrachteten ihre Unternehmen kritischer als die in der Studie Befragten. Eines aber könne er sich sicherlich nicht vorstellen: dass all diese Leute in Sachen Digitalisierung nichts machten.

Was war geschehen?

Während seiner Rede, mit der Lenck den diesjährigen DSAG-Jahreskongress in Leipzig eröffnete , richtete er sich an sein Publikum. Welche der anwesenden Unternehmen weit oder sehr weit mit der digitalen Transformation fortgeschritten seien, wollte er von seinen Zuhörerinnen und Zuhörern wissen. In der großen, voll besetzten Messehalle waren anschließend maximal ein Dutzend gehobene Hände zu sehen. Das sei ja weniger als ein Prozent, murmelte Lenck auf offener Bühne in sein Mikrofon. Seine Irritation war nicht zu überhören.

Kurz danach präsentierte er die Ergebnisse einer Online-Umfrage präsentieren, die die DSAG im Vorfeld bei Ihren Mitgliedern durchgeführt hatte. Dieses Ergebnis brachte weit höhere Zustimmungsquoten. Demnach schätzen mehr als ein Drittel der SAP-Anwender (34 Prozent), dass sie bei der digitalen Transformation weit bis sehr weit fortgeschritten sind – drei Prozentpunkte mehr als 2017.

Welches Resultat bildet die Wirklichkeit nun besser ab?

Das direkte, aber dürftige Votum der rund 5.000 Teilnehmer in der Halle der Leipziger Messe? Oder die Reaktion von 389 CIOs und Vertretern von DSAG-Mitgliedsunternehmen in Deutschland, Österreich und der Schweiz, die isoliert voneinander ihre Antworten in einen PC oder ein Smartphone tippten? Eine stichhaltige Lösung dieses Dilemmas kann es im Nachhinein nicht mehr geben.

2. Weitere Ergebnisse der Online-Umfrage

  • ERP-Systeme spielen in der Architektur der Zukunft eine wichtige Rolle. 73 Prozent der Befragten sehen sie als relevant an, bilden ERP-Systeme doch auch weiterhin die Wertschöpfung innerhalb der Unternehmen ab. Diese wird jedoch hybrid, muss also Cloud-Komponenten integrieren. Der Grund: Die Prozessintegration zwischen Unternehmen schafft einen Mehrwert außerhalb der ERP-Systeme. Speziell Marketing- und Vertriebsprozesse werden dabei von DSAG-Mitgliedern heute schon ausgelagert. 48 Prozent der Befragten nutzen diese aus der Cloud. Kernprozesse verbleiben dagegen zum Großteil im ERP, lediglich 10 Prozent der Befragten verlagern sie in die Cloud.
  • In Sachen Plattformen sieht die Realität in DSAG-Mitgliedsunternehmen vielfältig aus: 55 Prozent der Umfrageteilnehmer bescheinigen der SAP Cloud Plattform eine hohe Relevanz für die Digitalisierung. Es folgen Microsoft Azure mit 50 Prozent und Amazon Web Services mit 31 Prozent. Google liegt mit 15 Prozent etwas abgeschlagen.
  • S/4HANA hat für über drei Viertel der Befragten eine hohe Relevanz. Die SAP Cloud Plattform ist mit 47 Prozent im Rennen. SAP Leonardo mit 30 Prozent. Mit der Business Suite als zentralem System plant über die Hälfte ihre Transformation. Die Weiterentwicklung der Business Suite muss daher gewährleistet bleiben und darf nicht zugunsten der Cloud reduziert oder gar aufgegeben werden.SAP hat die Wartung und Pflege der Business Suite bis 2025 garantiert. 41 Prozent der Befragten schätzen, dass sie bis dahin ihre Systeme komplett auf S/4HANA umgestellt haben. Weitere 28 Prozent zumindest teilweise. „Allerdings sind aktuell bei einer Umstellung noch nicht alle abgekündigten Funktionen des alten ERP ersetzt. Wenn sich das nicht ändert, brauchen wir Alternativen für die ERP-Transformation“, blickt Marco Lenck in die Zukunft. Daraus folgt, Unternehmen wollen und müssen sich vermehrt der komplexen Aufgabe stellen und ihre Architektur der Zukunft aufbauen. Sie benötigen aber verschiedenste Hilfestellungen. Diese fordert die DSAG von SAP für ihre Mitglieder auf dem DSAG-Jahreskongress 2018 ein.

3. Die Forderungen der DSAG (Zitate Lenck)

  • Technologie: „Bewährtes und Erkämpftes aus der On-Premise-Welt muss ohne großen Aufwand mit in die künftigen hybriden Szenarien übernommen werden können. Wir brauchen weniger Cloud-only-Entwicklungen und erwarten funktionale Weiterentwicklungen im Rahmen der Wartung und keine neue Cloud-Subskription. Funktionen innerhalb von Kernanwendungen müssen integriert bleiben. Nur so lassen sich Geschäftsprozesse effizient abbilden.“
  • Anwendungsportfolio: „Die Rahmenbedingungen für die Implementierung von S/4HANA müssen weiter verbessert und optimiert werden, zumindest teilweise. Aktuell sind bei einer Umstellung noch nicht alle abgekündigten Funktionen des alten ERP ersetzt. Wenn sich das nicht ändert, brauchen wir Alternativen für die ERP-Transformation. Unternehmen müssen sich vermehrt der komplexen Aufgabe stellen und ihre Architektur der Zukunft aufbauen. Sie benötigen aber verschiedenste Hilfestellungen.“
  • Business Networks Integration: „Es muss konsequent nachgearbeitet werden, um zu der homogenen CRM-Suite C/4HANA zu gelangen, die sich alle Anwender wünschen.“
  • Operations / Service & Support: „Die Adaption der heutigen SAP-Preislogik auf die neue Welt in einer neuen Zeit muss dringend schneller vorankommen. Es braucht ein atmendes, an den Kennzahlen des Geschäfts orientiertes Modell, das wir seit Jahren fordern.“
  • Internet der Dinge / Business Transformation: „Es braucht Zukunftsarchitekturen für Unternehmen jeder Größe, die bestehende Geschäftsmodelle abbilden und sich darüber hinaus alle denkbaren und undenkbaren Möglichkeiten offenhalten. Daraus folgt, SAP-Plattformen müssen offen sein, um sich mit anderen Plattformen einfach integrieren zu lassen. Digitale Prozesse brauchen unabhängige, interoperable Standards. Konvertierungsprozesse und aufwändige Schnittstellen wirken sich auf die Geschwindigkeit und damit den Erfolg von Digitalisierungsvorhaben der Unternehmen aus“.

Veröffentlicht am 23.10.2018