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CeBIT / Nachruf

d!bakel (update)

Das Aus für die CeBIT kommt nicht überraschend. Aber es führt noch einmal deutlich vor Augen, was passiert, wenn ein Management zwar dauernd Digitalisierung predigt, ihre Grundsätze aber mit Füßen tritt.

Die CeBIT ist Geschichte. Dieses Schicksal teilt sie nun mit anderen IT-Messen. Dennoch hat mich die Meldung berührt. Zwei Jahrzehnte lang habe ich die Messe alljährlich besucht und dort viele Menschen kennen gelernt. Sie war ein fester Termin im Kalender und ein Ort, wo man andere auch zufällig traf.

Keine andere IT-Messe hat so viele Menschen zusammengebracht

Zur Erinnerung: Keine andere IT-Messe in Deutschland hat so viele Menschen zusammengebracht wie die CeBIT. Um die Jahrtausende waren es fast 900.000. 2017, also beim vorletzten Mal, immerhin noch 180.000. Für andere Events dieser Art wäre das rein quantitativ der Ritterschlag.

Tatsächlich kommt das Ende nicht überraschend. Ab sofort reiht sich die IT-Messe in die Ahnengalerie ehemaliger Weltmarktführer aus Deutschland wie Nixdorf und die ITK-Sparte von Siemens ein, die die digitale Transformation nicht überlebten. Wünschenswert wäre, wenn das Aus allen verbliebenen Branchenteilnehmern noch einmal deutlich vor Augen führt, was passiert, wenn ein Management zwar dauernd Digitalisierung predigt, die Grundsätze der digitalen Transformation aber mit Füßen tritt.

Oliver Frese als tragische Figur

Bei der CeBIT war Oliver Frese die tragische Figur. Er übernahm 2013 das Kommando. Er wollte die CeBIT zur Leitmesse der Digitalisierung machen. Mit Wortschöpfungen wie d!conomy, d!tec, d!talk und d!campus ging er aber vor allem in die Geschichte der neudeutschen Sprache ein. Am Ende aber erlebte er auch sein persönliches sein d!bakel. Er muss die Deutsche Messe AG zum Jahresende verlassen.

Die Strategie der Zukunft leitete Frese vor allem aus der Vergangenheit ab. Sein erklärtes Ziel war die Rückgewinnung früherer Größe. Zu Beginn seiner Amtszeit versprach er die mindestens wieder 300.000 Besucher. Größe und Tradition aber entscheiden im digitalen Zeitalter nur bedingt über Erfolg. Ohne Flexibilität und Schnelligkeit haben sie keinen Wert.

Am Ende wusste niemand mehr, wofür die CeBIT wirklich stand

Schnell wechselte Frese nur die Strategie. Erst fokussierte er die professionelle Zielgruppe, dann setzte er wieder mehr auf private, vor allem junge Endkunden. Am Ende veränderte er sogar Zeit und Ort. Spätestens jetzt wusste niemand mehr, wofür die CeBIT wirklich stand. Ein Todesurteil im Dickicht des Digitalisierungsmarktes.

Frese ignorierte die Konkurrenz. Während seiner Amtszeit verdoppelte die it-sa, die Fachmesse für IT-Sicherheit in Nürnberg, ihre Besucher- und Ausstellerzahlen. Ähnliche Zugewinne verzeichneten die conhIT in Berlin (IT im Gesundheitswesen) und die formnext in Frankfurt (3D-Druck). Zuletzt erlaubte er sogar eine Premiere im eigenen Revier. Die Smart Country Convention fand Ende November 2018 erstmals in Berlin statt. Sie fokussiert auf die Zielgruppe der Behörden und Öffentliche Auftraggeber, einst ein Stammklientel der CeBIT.

Die Grundsätze der Digitalisierung verinnerlichte Frese nie. Zwar rückte er von der reinen Produktshow ab. Allerdings setzte er auf Party statt auf Prozesse. Ins Zentrum der letzten CeBIT-Ausgabe pflanzte er eine Riesen-Kirmes, bei der sich viele Beobachter fragten, wer dafür am Ende die Zeche bezahlt.

Mittelständische Kunden blieben der Messe zunehmend fern

Den Anschein, dass Digitalisierung harte, kleinteilige Arbeit ist, vermittelte die Messe nie. Mittelständische Kunden blieben der Messe daher zunehmend fern. Angeblich kamen zuletzt nur noch 120.000 Besucher. Geprüfte Zahlen veröffentlichte die Deutsche Messe AG für 2018 bis heute nicht.

Für einige Branchen ist das Aus der CeBIT besonders bitter. Vor allem den Anbietern von digitalen Dokumenten-Managementsystem gingen die Messen in der jüngeren Vergangenheit reihenweise verloren. Erst die DMSExpo (Köln), dann die IT&Business (Stuttgart) und nun die CeBIT.

Man darf gespannt sein, welche Konzepte diese mittelständischen Anbieter entwickeln, um sich auf Branchenmessen zu positionieren und Neukunden zu gewinnen. Mit dem Aus der CeBIT fangen dort viele Marketing-Probleme erst an.


Veröffentlicht am 29.11.2018




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