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DIGI.REPORT

felix1.de / Digitale Steuerberatung
Erfolglose Revoluzzer

Vor vier Jahren gingen die digitalen Steuerberater von felix1.de mit großspurigen Ankündigungen an den Markt. Seitdem aber schreiben sie vor allem Verluste – und schweigen sich darüber aus, wie es in Zukunft weiter gehen soll.

Zum offiziellen Marktstart im August 2014 nahmen die Verantwortlichen von felix1.de kein Blatt vor den Mund. „Ähnlich wie Amazon den Einzelhandel oder Apple die Musikindustrie revolutioniert hat, kommt nun auch die digitale Revolution in der Steuerberatungsbranche an“, hieß es damals. „Einfache Online-Lösungen versetzen Unternehmer in die Lage, ihre Buchhaltung selbst zu erledigen. Auch die Steuerberatung in Deutschland wird für Unternehmer radikal vereinfacht.“

Nun sind weder Apple noch Amazon über Nacht zu globalen Marktführern aufgestiegen. Und auch bei felix1.de gibt es ein Problem. Das Unternehmen schreibt massiv Verluste. Dennoch wollen sich die Verantwortlichen zur seiner Zukunft nicht mehr äußern.

Allein der Name klingt wie ein Programm

Die Felix1.de AG wurde 2013 durch die ETL-Gruppe gegründet. Das Kürzel ETL steht für European Tax & Law. Das Angebot der Gruppe umfasst Dienstleistungen rund um die Themen Steuern, Recht, Wirtschaft und Finanzen. Sie ist in Deutschland eigenen Angaben zufolge mit über 870 Kanzleien vertreten.

Allein der Name klingt wie ein Programm. Das lateinische „felix“ bedeutet „glücklich“. Auch die Zahl „1“ weist emotional nach ganz weit vorne.

Die Geschäftsidee klingt ebenfalls verlockend. Von der Rechnungserstellung, über die Buchhaltung, bis hin zur Steuererklärung sollen Unternehmer alles online erledigen. Hilfe erhalten sie von einem Online-Steuerberater, den sie zu einem günstigen im Voraus vereinbarten Preis aus zahlreichen Niederlassungen in Deutschland frei aussuchen können.

Dieses Konzept biete Vorteile für beide Seiten: Die mit dem Internet aufgewachsene junge Unternehmer-Generation bekomme ein modernes, an ihre Bedürfnisse angepasstes Angebot, heißt es. Und: „Für die Steuerberater beginnt damit ein radikaler Strukturwandel, wie ihn Post, Einzelhandel und Medien heute schon durchlaufen.“

Die Gesellschaft ist bilanziell überschuldet

Das Konzept stößt bis heute auf hohe, mediale Resonanz. Auch organisatorisch ließen sich die Macher nicht lumpen. Im Geschäftsjahr 2017 beschäftigte das Unternehmen immerhin 34 Mitarbeiter.

Bei Erfolg fiele dem Unternehmen eine bedeutende Vorreiterrolle zu. Es könnte ein Vorbild dafür sein, wie die Digitalisierung in deutschen Unternehmen gelingen kann.
Doch der Erfolg stellt sich nicht ein. Zumindest wirtschaftlich nicht.

„Die Gesellschaft ist zum Bilanzstichtag in Höhe von 3.052.428,62 Euro bilanziell überschuldet“, heißt es im Jahresabschluss für das Geschäftsjahr 2017. Dennoch gehen Geschäftsführung und Gesellschafter davon aus, „dass die Gesellschaft mittelfristig Einnahmeüberschüsse erzielen wird, die ausreichen, um die gegenwärtigen und zukünftigen Verbindlichkeiten zu erfüllen.“

Viele Fragen, aber keine Antworten

Eine Floskel? Oder steckt da mehr dahinter? SERVICE.REPORT.IT fragte daher bei Franz-Josef Wenze, dem Vorstand der felix1 AG nach. Ob das Unternehmen mit seiner Entwicklung im Plan liege. Wann es erstmals Gewinne schreiben wolle. Und wo die größten Herausforderung liegen, um die „Digitale Revolution in der Steuerberatung“ zu einem wirtschaftlichen Erfolg zu machen. Aber: „Bitte haben Sie Verständnis, dass wir Ihnen die Fragen nicht beantworten werden“, teilt uns Wenzke über seinen Pressesprecher mit.

Wie die „Digitale Revolution in der Steuerberatung“ noch gelingen kann, bleibt damit ungewiss. Die Erfahrung aber zeigt: Wer sich bei schwierigen Fragen einfach wegduckt, kann keine Revolution erfolgreich zu Ende führen.


Veröffentlicht am 07.12.2018