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DIGI.REPORT

Susen Software / Gebrauchte Software
Gescheitert am Kleinkrieg mit SAP

Axel Susen zieht sich zurück. Der Pionier im Handel mit Gebrauchter Software stellt sein Geschäft bis Ende des Jahres ein. Der ständige Kleinkrieg mit SAP hat ihn zermürbt.

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Die Susen Software GmbH in Herzogenrath wird liquidiert. Der entsprechende Eintrag im Handelsregister Aachen erfolgte am 2.Januar 2019. Geschäftsführer Axel Susen begründet den Rückzug auf unsere Nachfrage mit klaren Worten: „Der Markt für gebrauchte Software im SAP-Umfeld ist tot.“

Susen zählt zu den Pionieren im Handel mit gebrauchter Software in Deutschland. Als einziger hat er flächendeckend auch Lizenzen von SAP gemakelt. Nun aber wickelt er das Second-Hand-Geschäft vollständig ab. Spätestens zum Jahresende will er sich komplett daraus zurückgezogen haben.

SAP: Schwieriger Markt für gebrauchte Software

Für Händler von Zweit-Lizenzen ist der SAP-Markt ein schwieriges Geschäft. Lizenzen werden hier in der Regel gemeinsam mit weiteren Abonnements, etwa für die Software-Wartung, verkauft. Letztere aber sind in den gebrauchten Lizenzen oft nicht eingeschlossen. Wer die Wartung übernimmt, ist in diesem Metier daher eine wichtige Frage.

Hinzu kommt, dass der SAP-Markt sich stark wandelt. Einerseits, weil SAP alle Anwendungen auf die hauseigene Datenbank-Technologie HANA umrüstet. Andererseits, weil das Unternehmen seine Business-Software am liebsten aus der Cloud heraus verkauft. Von einer Software, die nur zur Miete angeboten wird, aber gibt es keine gebrauchten Lizenzen.

Kunden beugen sich dem Druck der SAP

Das wesentliche Motiv, aus diesem Markt auszusteigen, sei aber der Kleinkrieg mit SAP gewesen, betont Susen. Obwohl deutsche Gerichte den Handel mit gebrauchter Software ausdrücklich genehmigt hätten, habe SAP - anders als beispielsweise Microsoft - dieses Geschäftsmodell nie wirklich toleriert. Im Gegenteil habe das Unternehmen Kunden, die ihre Lizenzen nicht direkt bei dem Softwarehaus oder einem zertifizierten Partner bezogen, so stark unter Druck gesetzt, dass sich die meisten am Ende aufgrund der damit verbundenen Unsicherheiten den Vorgaben des Softwarehauses beugten.

Susen hatte mehrere, öffentliche Gefechte mit dem Softwarehaus ausgetragen. Beispielsweise gewann er 2013 einen Prozess vor dem Landgericht Hamburg. Der Weitervertrieb von Lizenzen sei auch ohne Zustimmung der SAP erlaubt, urteilten die Richter damals. Hinter den Kulissen aber nahmen die Konflikte mit SAP nicht ab, erzählt Susen.

Auch wettbewerbsrechtliche Schritte gegen die SAP blieben erfolglos. So versuchte Susen, das Softwarehaus wegen Marktmissbrauchs beim Bundeskartellamt in die Schranken zu weisen. Das aber ließ ein solches Verfahren erst gar nicht zu. Damals habe er gemerkt, wie aussichtlos seine Sache sei.


Veröffentlicht am 13.02.2019



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