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DIGI.REPORT-Artikel

QSC AG / Telekommunikations-Sparte
Notverkauf

Die QSC AG verkauft mit der Telekom-Sparte Plusnet GmbH ihr profitables Kerngeschäft. Das Management braucht dringend frisches Geld für seine Wachstumsstrategie – oder für die Veräußerung der restlichen Unternehmensteile.

IP-Telefonanlagen

Daimler verkauft seine PKW-Produktion und konzentriert sich künftig auf Carsharing. Die Lufthansa veräußert ihre Langstreckenflotte und setzt alles auf die Kurzstrecke. Bayern München gliedert die Fußballabteilung aus, weil der Verein seine Zukunft im Basketball sieht.

Alle drei Szenarien werden so schnell nicht Wirklichkeit werden. Eines aber haben sie gemeinsam: die Firmen stoßen ihr profitables Kerngeschäft ab und suchen ihr Glück in einer bisherigen Nische.

QSC wagt diesen radikalen Schnitt tatsächlich. Der Kölner IT-Dienstleister will sein Telekommunikationsgeschäft, das in der Plusnet GmbH gebündelt ist, vollständig verkaufen. Ein entsprechender Vertrag wurde nun mit der EnBW Telekommunikation GmbH geschlossen. Die Kartellbehörden müssen der Vereinbarung noch zustimmen.

Zuletzt schrieb QSC kaum Gewinne, während die Umsätze sanken

Die Meldung verwundert. Vor rund 20 Jahren stieg das damalige StartUp mit neuartigen DSL-Telekommunikationsdiensten in den deutschen IT-Markt ein. Im Geschäftsjahr 2018 trug die Sparte rund 50 Prozent zum Umsatz von 366,8 Millionen Euro bei – bei einem Umsatzwachstum von rund sechs Prozent und einer operativen Gewinnmarge von 20 Prozent. So gut lief es in keiner anderen Sparte des Unternehmens.

Doch offenbar braucht das Management dringend Geld, das es sonst weder bei Banken noch an der Börse erhält. In den letzten Jahren schrieb das Unternehmen kaum Gewinne und zahlte so gut wie keine Dividende. Die Aktie hat stark verloren und war zuletzt nur noch 1,23 Euro wert.

„Mit dem Verkauf von Plusnet fällt der Startschuss für die schnellere Umsetzung unserer Wachstumsstrategie im Cloud- und IoT-Bereich“, erklärt Vorstandschef Jürgen Hermann. Zudem solle „die Rückführung der Gesamtverschuldung die Unabhängigkeit des Unternehmens bei strategischen Entscheidungen erhöhen“. Über die Erfolgsaussichten dieser Strategie äußerte sich Hermann nicht.

Seit Jahren gleicht die QSC AG einer Dauerbaustelle

Nach dem erfolgreichen Börsengang im Jahr 2000 steckten die beiden Gründer Bernd Schlobohm und Gerd Eickers viel Geld in den Kauf von Marktanteilen – in der Hoffnung, ein potenter Käufer würde bald übernehmen. Tatsächlich wurden zu dieser Zeit viele Telekom-Konkurrenten übernommen. Nur bei QSC klappte es nicht.

Ab 2010 wechselte QSC selbst in die Rolle des Konsolidierers, verleibte sich Rechenzentrumsbetreiber sowie SAP-Spezialisten ein und erweiterte dadurch den Wirkungskreis. Bis 2016 sollte sich der Umsatz verdoppeln, so der Plan des Managements. Am Ende schaffte QSC nicht einmal die Hälfte. Bis heute sind die Erlöse weiter geschrumpft und die zugekauften Geschäftsfelder Consulting und Outsourcing keine Wachstumsträger mehr. In beiden Bereichen sanken die Umsätze zuletzt, bei Outsourcing sogar sehr stark.

Cloud-Geschäft braucht Übernahmen

Aktuell malt das Management daher die Vision einer Cloud-Company in den Börsenhimmel. Das Unternehmen bezeichnet sich selbst als „Digitalisierer des Mittelstands“. Wichtige Elemente einer klangvollen Zukunftsstory.

In der Tat stiegen die Umsätze im Cloud- Bereich zuletzt um ein Drittel, auch die Gewinnmarge legte kräftig zu. Allerdings ist die Sparte mit einem Umsatz von rund 36 Millionen Euro nach wie vor ein Nischengeschäft. Es wird größere Zukäufe brauchen, um sich langfristig gegen sehr viel größere Konkurrenten zu behaupten. Der Verkauf von Plusnet würde QSC dafür rund 229 Millionen Euro in die Kasse spülen. Man darf gespannt sein, wann die Summe überwiesen wird und wie Hermann sie investiert. Viel Zeit darf sich QSC damit nicht mehr lassen. Sonst sind die besten Optionen schon weg.

Womöglich verfolgt das Management aber auch ein ganz anderes Ziel und investiert das Geld in die Bilanz-Kosmetik dient. Damit könnte QSC als Cloud-Unternehmen endlich das gelingen, was einst als Telekom-Firma nicht gelang - einen zahlungskräftigen Käufer zu finden und die Gründer, die gemeinsam noch 25 Prozent der Anteile halten, für ihr Lebenswerk zu entlohnen.

QSC AG
 
Geschäftsjahr 1 Umsatz Gesamt (Mio. €) Cloud (Mio. €) Consulting (Mio. €) Outsourcing (Mio. €) Telekom (Mio. €) EBIT(Mio. €) EBIT-Marge (%)
2018 366,8 36,5 38,4 91,0 200,9 8,5 2,3
2017 357,9 27,8 39,4 102,0 188,7 7,1 2,0
2016 386,0 18,1 40,3 117,4 210,2 -13,1 -3,4
2015 402,4 7,3 38,0 138,5 218,7 -11,2 -2,8
2014 431,4 3,9 25,2 156,5 235,8 -34,0 -7,9
2013 455,5 2,2 34,5 159,9 259,1 26,5 5,8
Quelle: QSC; 1 = bis 31. Dezember

Veröffentlicht am 13.05.2019