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DIGI.REPORT

Huawei / Unternehmenskunden
Droht Borussia Dortmund Funkstille wegen Huawei?

Müssen 80.000 Fußballfans in Deutschlands größtem Stadion bald auf kostenfreies WLAN verzichten? Die Verantwortlichen bleiben eine Antwort schuldig. Unsere Recherchen zeigen: Neben der Telekom-Industrie und den Smartphone-Käufern müssen sich auch die Unternehmenskunden von Huawei sorgen, wie es in punkto Service und Ersatzeilversorgung weitergeht.

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Das Fußballstadion in Dortmund ist die größte Arena des Landes. Zu den Heimspielen des BVB 09 kommen in der Regel mehr als 80.000 Zuschauer. Bislang können die Fans dort einfach und kostenlos surfen, posten und twittern. Auf ihrem Smartphone müssen sie dazu lediglich das „BVB“-WLAN auswählen und den Allgemeinen Geschäftsbedingungen zustimmen. Anschließend können bis zu 46.000 Menschen gleichzeitig den Datendienst nutzen. Über das normale Mobilfunknetz wäre eine digitale Massenkommunikation in dieser Größenordnung nicht möglich.

WLAN-Technik n Dortmund kommt von Huawei

Mit dem Anpfiff zur nächsten Saison aber könnte Deutschlands größtes Stadion in Funkstille versinken. Denn der chinesische Netzwerk-Spezialist Huawei, einst „Champion-Partner“ von Borussia Dortmund, baute das WLAN vor fünf Jahren auf. 900 Sende- und Empfangsstationen wurden damals montiert, damit Fans alle Tore und Siege möglichst schnell mit der Außenwelt teilen. Das Digitalisierungs-Projekt gilt bis heute als eines der größten seiner Art in ganz Europa. Nun aber steckt Huawei in großen Schwierigkeiten. Damit stellt sich die Frage: Wird das BVB-WLAN auch in Zukunft noch funktionieren?.

„Huawei ist kein Partner mehr von Borussia Dortmund“, reagiert die Pressestelle des Fußballvereins auf Anfrage von SERVICE.REPORT.IT. „Darüber hinaus bitten wir um Verständnis, dass wir uns zu Details laufender oder früherer Partnerschaften grundsätzlich nicht in der Öffentlichkeit äußern.“

Katastrophale Krisenkommunikation

Jörg Karpinski, der Vertriebsleiter der Enterprise-Sparte von Huawei Deutschland, bleibt eine klärende Antwort ebenfalls schuldig. Anders als zugesagt, meldet er sich nicht mehr zurück. Und eine Pressestelle für die deutsche Enterprise-Sparte gibt es nicht.

Gut möglich, dass das deutsche Management selber nicht weiß, wie es bei Huawei weitergeht. Seit Monaten brechen täglich neue Hiobsbotschaften über das Unternehmen herein. Erst geriet das chinesische Unternehmen als Lieferant moderner 5G-Telekommuniktaionsnetze in die öffentliche Kritik. Dann kündigten reihenweise die US-Lieferanten ihre Zusammenarbeit auf. Plötzlich stand Huawei ohne Betriebssystem für seine Smartphones dar, weil Google die Lizenz für Android entzog.

Der Boykott zeitigt inzwischen dramatische Folgen. Medienberichten zufolge brechen die Verkäufe ein. Die Preise für Huawei-Smartphones sind in Deutschland um ein Drittel abgestürzt. Die Deutsche Telekom soll ihren eigenen Mitarbeitern sogar explizit vom Kauf eines Huawei-Gerätes abgeraten haben. Das sei „derzeit nicht empfehlenswert“, zitiert die „Welt am Sonntag“ aus einem entsprechenden Schreiben an die Mitarbeiter des Konzerns.

Die Lieferbarkeit von Servern, Netzwerktechnik und Ersatzteilen bleibt ungewiss

Kein anderes Unternehmen ist so stark vom Handelsstreit zwischen den USA und China betroffen wie Huawei. Doch nicht nur die Kunden aus der Telekommunikations-Industrie und die Smartphone-Käufer fragen sich, wie es bei dem Unternehmen weitergeht. Auch die Unternehmenskunden wie Borussia Dortmund, denen Huawei über seine Enterprise-Sparte Netzwerktechnik und Server verkauft, können derzeit nur rätseln, ob bald Engpässe bei Service und Ersatzeilversorgung auftreten.

Huawei schweigt sich dazu aus. Auch vier Wochen, nachdem der US-Präsident einen Lieferbann durch US-Unternehmen verordnete, gibt es keine Aussage des Herstellers darüber, was Huawei-Kunden zu erwarten haben. Eine professionelle Krisenkommunikation sieht anders aus.

SERVICE.REPORT.IT hakte daher nach. Hat der Lieferbann Folgen für den Vertrieb von Huawei Enterprise Produkten in Deutschland? Und ab wann ist mit einer eingeschränkten Lieferbarkeit von Produkten und Ersatzteilen zu rechnen? Doch nicht nur Huawei-Manager Karpinski, auch die deutschen Distributoren des Unternehmens bleiben darauf eine Antwort schuldig. „Entsprechend der konzerninternen Vorgaben können wir hierzu kein Statement abgeben“, heißt es beim Großhändler TechData. „Nach Rücksprache mit der Geschäftsleitung möchte ich Ihnen mitteilen, dass wir zu diesem Thema keine Stellung nehmen möchten“, winkt man bei Infradata bei. Die Distributoren Acondistec und Pandacom melden sich gar nicht zurück.

Erst gefeiert, dann auf Tauchstation

Dabei haben alle zusammen sich und ihren Lieferanten noch vor kurzem kräftig gefeiert. „Unser Ziel ist es, das Enterprise-Geschäft allein in Deutschland auf eine Milliarde Euro Umsatz in 2019 zu steigern“, kündigte Vertriebsleiter Karpinski Anfang Mai den rund 400 Gästen auf dem ersten „Huawei Enterprise Day“ in Düsseldorf eine Neukunden-Offensive an.

Wenige Tage später aber ging er auf Tauchstation. Angesichts der katastrophalen Krisenkommunikation dürfte er momentan wohl schon froh sein, wenn ihm seine deutschen Bestandskunden in den nächsten Wochen nicht reihenweise von der Fahne gehen.


Veröffentlicht am 13.06.2019