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Handwerk / Digitale Transformation
"Der Kontakt zum Kunden hat sich stark verändert"

Warum braucht die Welt eine Digitalmesse nur für Handwerks-Unternehmen? Was sind die Ziele? Wo liegen die Herausforderungen? Über diese Fragen sprach SERVICE.REPORT.IT mit Berthold Schröder, dem Präsidenten der Handwerkskammer (HWK) Dortmund.

Digitale

SERVICE.REPORT.IT: Herr Schröder, Anfang Juli 2019 fand die Messe HANDWERK.DIGITAL zum dritten Mal und mit neuem Teilnehmerrekord statt. Angeblich ist sie die erste Digital-Messe nur für das Handwerk in Deutschland. Warum wurde sie 2017 ins Leben gerufen?

Schröder: Als Handwerkskammer ist es eine unserer Aufgaben, die Betriebe in unserem Kammerbezirk bestmöglich zu unterstützen. Dazu zählen auch die Herausforderungen im Zuge der Digitalisierung. Lange Zeit wurde ausschließlich von der Industrie 4.0 gesprochen, wenn es um den digitalen Wandel ging. Dabei wurde außer Acht gelassen, dass jede Branche und somit auch das Handwerk davon betroffen ist. Um – sowohl in der Öffentlichkeit als auch im Bewusstsein unserer Betriebe – für das Thema zu sensibilisieren und aufzuzeigen, in welchem Maße das Handwerk betroffen ist,  haben wir in 2016 zunächst ein Symposium zum Thema Digitalisierung veranstaltet. Die Veranstaltung hat uns gezeigt, dass es noch sehr viel Informationsbedarf bei diesem Thema gibt. Darum haben wir das Format im kommenden Jahr erweitert und mit einem Messecharakter versehen.

SERVICE.REPORT.IT: Welche Ziele verfolgen Sie heute damit?

Schröder: Die Veranstaltung ergänzt unser Beratungs- und Unterstützungsangebot und soll Handwerker und Anbieter digitaler Lösungen zusammenbringen sowie Impulse liefern, um den digitalen Wandel aktiv zu gestalten. Gleichzeitig möchten wir zeigen: Handwerk und Digitalisierung passen hervorragend zusammen.

SERVICE.REPORT.IT: Eine jährliche Messe allein kann nicht genügen. Welche Maßnahmen umfasst die Digitalisierungs-Strategie der HWK Dortmund außerdem?

Schröder: Um die technischen und wirtschaftlichen Potenziale der Digitalisierung zu erschließen und Wettbewerbsvorteile für das Handwerk in der Region zu sichern, haben wir von der Kammer Dortmund ein passgenaues Informations-, Beratungs- und Unterstützungsangebot für unsere rund 20.000 Mitgliedsbetriebe entwickelt. Unser Dienstleistungsangebot umfasst u.a. die Beratung zum Thema IT-Sicherheit und Datenschutz durch eine qualifizierte IT-Sicherheitsbotschafterin, zu digitalen Technologien wie Additive Fertigung, mobile Anwendungen, Drohnen und Videobrillen, zum Thema Online-Marketing und Social-Media-Strategien sowie zu öffentlichen Fördermitteln. Außerdem unterstützen wir unsere Mitglieder bei der Prozess- und Organisationsentwicklung sowie bei digitalen Bedarfsanalysen, die Beratung. Gleichzeitig sind wir Kooperationspartner im Landesprojekt handwerk-digital.nrw zur Förderung eines Innovationsclusters im Handwerk auf Landesebene. Dem Team steht ein großes Wissens- und Technologiennetzwerk in Form von digitalen Kompetenzzentren, Hochschulen und Digital Hubs im Rahmen der Betriebsberatung zur Seite.

SERVICE.REPORT.IT: Das klingt nach viel Potential. Wo liegen die Herausforderungen?

Schröder: Das Handwerk arbeitet sehr intensiv mit Menschen zusammen, doch gerade der Kontakt zum Kunden hat sich stark verändert. Die Verbraucher erwarten heute eine permanente Erreichbarkeit, digitale Services und individuelle Produkte. Darauf müssen sich die Betriebe einstellen. Gerade für kleine Unternehmen mit wenig Personal stellt dies eine Herausforderung dar. Gleichzeitig verlangen moderne Techniken und Entwicklungen Handwerkern neues und komplexes Fachwissen ab – das gilt auch für solche Bereiche wie Datenschutz und IT-Sicherheit. Herausforderungen ergeben sich auch durch neue Wettbewerber, die im Zuge des digitalen Wandels auftreten. Neben Angebotsportalen sind hier vor allem neue digitale Geschäftsmodelle zu nennen, die die Schnittstelle zum Kunden neu definieren und besetzen.

SERVICE.REPORT.IT: Wo zeichnen sich Erfolge ab?

Schröder: Die Digitalisierung hält nicht nur Herausforderungen bereit, sondern bietet die Möglichkeit, Strukturen und innerbetriebliche Abläufe zu verschlanken, neue Kundenkreise zu erschließen und sich mit innovativen Geschäftsideen einen Wettbewerbsvorteil zu verschaffen. Viele Handwerksbetriebe haben die Zeichen der Zeit erkannt und setzen zunehmend auf digitale Kanäle und Anwendungen. Wir von der Handwerkskammer unterstützen sie dabei, ihr ganz individuelles Digitalisierungskonzept zu erstellen und zum Erfolg zu führen. Es gibt bereits viele Erfolgsgeschichten aus dem Handwerk. Andere Betriebe müssen wiederum noch für die Potentiale der Digitalisierung aufgeschlossen werden. Mit Events wie HANDWERK DIGITAL möchten wir genau das erreichen und die Betriebe für die zahlreichen Chancen der Digitalisierung sensibilisieren und Wege aufzeigen, wie sie die Potentiale am besten für sich nutzen.

SERVICE.REPORT.IT: Welche Best-Practice-Beispiele gibt es?

Schröder: Es gibt zahlreiche Beispiele, wie Handwerker die Digitalisierung nutzen. So kommen in vielen Branchen Online-Konfiguratoren zum Einsatz, mit denen Kunden ihre Produkte bequem von daheim individualisieren können. Viele Dachdecker nutzen Drohnen, sogenannte Multicopter, um Dächer zu inspizieren. Andere Handwerker nutzen den 3-D-Drucker zur Erstellung von Treppenmodellen oder zur Herstellung von individuellen Schokoladenkreationen. Auch im Bereich der Orthopädietechnik wird heute mit dreidimensional gedruckten Hilfsmitteln gearbeitet. Ein Unternehmen, das auch im Rahmen der HANDWERK DIGITAL 2019 ausstellte und aufzeigte, wie digitale Techniken zu innovativen Lösungen im Handwerk beitragen, ist die Papenmeier GmbH & Co. KG, die unter anderem im Bereich der Reha-Technik aktiv ist. Das Unternehmen ist beteiligt an dem öffentlich geförderten Projekt „Blindenleitsystem 2.0“, das mittels im Boden eingebetteter Transponder die Navigation an öffentlichen Plätzen wie Bahnhöfen, Bushaltestellen oder Flughäfen verbessern möchte.

SERVICE.REPORT.IT: Was plant die HWK Dortmund für die Zukunft?

Schröder: Auch künftig werden wir unser Beratungs- und Dienstleistungsangebot an aktuelle Entwicklungen anpassen, um unseren Mitgliedsbetrieben die bestmögliche Unterstützung zukommen zu lassen. Im Bereich der beruflichen Aus- und Weiterbildung werden wir dafür sorgen, dass unsere Bildungsstätten auf dem neuesten Stand sind und Lerninhalte den Anforderungen der digitalisierten Arbeitswelt gerecht werden. Unterstützung wünschen wir uns in dieser Angelegenheit auch von Seiten der Politik, zum Beispiel in Form stärkerer Investitionen in die Bildungszentren des Handwerks. Das würde auch dazu beitragen, ein Signal zur Gleichwertigkeit beruflicher und akademischer Ausbildung zu setzen. Weitere Maßnahmen werden darin bestehen, unsere eigenen Services weiter zu optimieren und zu digitalisieren. So haben wir beispielsweise Anfang des Jahres den Lehrvertrag ONLINE auf den Weg gebracht und eine digitale Lernplattform eingeführt.

SERVICE.REPORT.IT: Wird die HANDWER.DIGITAL auch im nächsten Jahr stattfinden?

Schröder: Ja, ein genaues Datum steht aber zu diesem Zeitpunkt noch nicht fest.

SERVICE.REPORT.IT: Herr Schröder, wir danken für das Gespräch.


Veröffentlicht am 12.07.2019