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Voll in die Falle getappt

Im Übernahmepoker mit Xerox ist HP Inc.-Chef Enrique Lopez in die Falle getappt. Nun muss er selbst ein Kaufangebot für Xerox abgeben, um seinen Job zu retten. Für seine Kontrahenten läuft damit alles weiter nach Plan.

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Für Enrique Lopez war der 26. November 2019 ein gebrauchter Tag. Erst musste der HP inc.-Chef seinen Aktionären für das abgelaufene Geschäftsjahr (bis 31. Oktober) eine durchwachsene Jahresbilanz präsentieren. 

Dann teilte Xerox-Chef John Visentin in aller Öffentlichkeit mit, dass er Lopez im Zuge des laufenden Übernahmepokers nicht länger als Gesprächspartner akzeptiere. „Wir planen, direkt mit den HP-Aktionären zu sprechen, um Druck auf den HP-Vorstand auszuüben und die überwältigenden Chance zu nutzen, die eine Übernahme bietet.“

Erst freundlich, dann feindlich - seit Wochen läuft der öffentliche Hahnenkampf

Seit mehreren Wochen liefern sich Lopez und Vistentin einen öffentlichen Hahnenkampf. Anfang November tat Visentin seine Absicht kund, den Kontrahenten HP Inc. zu übernehmen. Lopez lehnte mit der Begründung ab, das Angebot biete aus HP-Sicht keine Vorteile. Visentin schloss daraufhin eine feindliche Übernahme nicht mehr aus. Lopez wiederum brandmarkte das pikiert als „aggressives Verhalten“.  Nun beginnt der nächste Akt, in dem Visentin nur noch mit den Aktionären statt mit Lopez sprechen will. 

Damit läuft für den Xerox-Chef offenbar alles nach Plan. Denn Lopez ist voll in die von Visentin gestellte Falle getappt.

HP-Chef Lopez ist erst seit Anfang November im Amt. Er folgte auf Dion Weisler, der den Job kurzfristig „aus familiären Gründen“ quittierte.  Im Übernahmepoker mit Xerox wirkt Lopez überfordert. Denn den starken Argumenten, mit denen Visentin für eine Übernahme wirbt, begegnet er mit kleinkarierter Rechthaberei. Während Visentin den Investoren die große Story von der Fusion zweier Marktführer mit sich ergänzenden Produktportfolios erzählt, geriert sich Lopez als Erbsenzähler, der sich nicht einmal des Rückhalts seiner Aktionäre sicher sein kann.

Die aktuelle Jahresbilanz bringt Lopez in die Bredouille

Die jüngste Jahresbilanz bringt Lopez noch mehr in die Bredouille. Denn während der Umsatz bei rund 58,7 Milliarden US-Dollar quasi stagnierte, fiel die Gewinnmarge von 9,1 auf 5,7 Prozent. Die Aktionäre erhielten damit den schriftlichen Beweis, dass das HP-Management aktuell keine schlagenden Ideen hat, wie es dem wachsenden Preisdruck im PC- und Druckermarkt erfolgreich begegnen kann. Ein geschickkter Schachzug daher, dass Visentin sich noch am gleichen Tag direkt an die Aktionäre wandte.

Die HP-Aktien befinden sich zu rund 80 Prozent im Besitz einer Vielzahl, institutioneller Anleger. Ein strategischer Investor allerdings ist nicht darunter. Visentin dürfte daher schnell Gehör unter all jenen HP-Aktionären finden, die sich Sorgen um ihre kurz- und mittelfristige Rendite machen.

Lopez muss bald die Geschichte erzählen, die Visentin jetzt schon erzählt

Lopez steht damit mit dem Rücken zur Wand. Um seinen Job zu retten, bleibt ihm nur noch eine Wahl: Er muss zum Gegenangriff übergehen und seinerseits ein Kaufangebot für Xerox abgeben. Die Geschichte, die er seinen Aktionären dafür erzählen muss, ist allerdings dieselbe, die Visentin jetzt schon erzählt. Damit ginge Visentins Plan voll auf. Denn so oder so dürfte der Übernahmepoker dem Kurs der Xerox-Aktie schon bald einen neuerlichen Schub verleihen.

Wenn Xerox HP Inc. übernimmt, erwirbt Visentin vile Tafelsilber - etwa das PC-geschäft - das er verkaufen kann. Übernimmt dagegen HP den Konkurrenten, wird es einen kräftigen Aufschlag auf den aktuellen Aktienkurs geben.

Seit Visentin das Zepter bei Xerox im Mai 2018 übernahm, hat sich der Aktienwert des Unternehmens bereits mehr als verdoppelt. Mit der Ankündigung der HP-Übernahme sprang der Kurs sogar auf über 35 US-Dollar, den höchsten Wert seit mindestens fünf Jahren.

Visentin schafft wie erhofft neue Werte

Damit schaffte Visentin genau jene Werte, die die beiden Großinvestoren Carl Icahn und Darwin Deason von ihm einforderten, als sie ihn ins Amt hievten. Zuvor hatten sie sowohl Visentins Vorgänger Jeff Jacobsens zu Fall gebracht als auch dessen geplanten Verkauf von Xerox an den japanischen Druckerhersteller Fuji.

Man darf davon ausgehen, dass es ihnen wurscht sein dürfte, welcher der beiden Unternehmen - HP oder Xerox - am Ende überlebt. Hauptsache die Kasse stimmt. Und ein berechenbarer Gegenspieler wie Lopez kommt ihnen da mehr als gelegen.

HP Inc. - Bilanzen

Konzern: Umsatz, EBIT und Rendite
Geschäftsjahr 1 Umsatz (Mrd.$) EBIT 2 (Mrd.$) Rendite (%)
2019 58,756 3,152 5,4
2018 58,472 5,327 9,1
2017 52,056 2,526 4,9
2016 48,238 2,496 5,2
Quelle: HP Inc; 1 = Geschäftsjahr: bis 31.10.; 2 = Net earnings

Veröffentlicht am 28.11.2019


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