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T-Systems / Strategie
Abstimmung mit den Füßen

Das Geschäft mit IT-Dienstleistungen boomt, aber nicht in allen Bereichen. Das bekommt auch T-Systems zu spüren. Der jüngste Geschäftsbericht der Deutschen Telekom zeigt: In der Großkundensparte mehren sich die Hinweise auf den Verkauf der IT-Division. Das Geschäft mit mittelständischen Geschäftskunden läuft dagegen sehr viel entspannter.

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Der jüngst veröffentlichte Bericht der Deutschen Telekom für das Geschäftsjahr 2017 untermalt die Krise bei T-Systems, von der die Branche seit Monaten spricht, mit Zahlen. Demnach ging der Umsatz der Großkundensparte im Vergleich zum Vorjahr um gut ein Prozent auf 6,918 Milliarden Euro zurück (-> Tabelle 1). Viele dramatischer aber: Der Verlust vor Steuern und Zinszahlungen (EBIT) verneunfachte sich auf 1,356 Milliarden Euro. Massive Abschreibungen auf Firmenwerte hätten die Bilanz so tief in die roten Zahlen rutschen lassen, argumentiert das Unternehmen. Operativ dagegen schreibe es schwarze Zahlen. Gleichwohl: Vermögenfressende „Sondereinflüsse“ haben sich in den letzten Jahren zum treuen Begleiter der T-Systems International GmbH entwickelt. Die Folge: Die Großkundensparte steckt seit Jahren in den Miesen fest. 

Tabelle 1 

T-Systems - Umsatz, Gewinn und Rendite
Geschäftsjahr 1 Umsatz (Mio. €) EBIT (Mio. €) Rendite (%)
2017 6.918 -1.356 -19,6
2016 6.993 -150 -2,1
2015 6.837 -373 -5,5
Quelle: Deutsche Telekom; 1 = Geschäftsjahr: bis 31.12. 

 

Im Brennpunkt steht aktuell vor allem die Division „Informationstechnologie (IT)“, einer von drei Geschäftsbereichen bei T-Systems. Sie vermarktet klassische IT-Dienstleistungen wie Systemintegration und Outsourcing. Welchen Zuspruch sie im Markt erfährt, ließ sich bis zum Geschäftsbericht 2016 detailliert an den stetig steigenden Zahlen für betreute Server und Arbeitsplätze sowie für fakturierte Stunden ablesen. Im Geschäftsbericht 2017 taucht diese Übersicht nicht mehr auf. War der Rückgang so peinlich groß, dass das Management sie nicht mehr veröffentlichen wollte?

Neuer Vorstandsbereich erleichtert Abspaltung

Die Hinweise, dass es bei T-System heftig kriselt sind nicht neu. So hob die Deutsche Telekom 2017 den neuen Vorstandsbereich „Technologie und Innovation“ aus der Taufe, der wesentliche Aufgabe von T-Systems übernahm. Dazu zählten vor allem die IT-Dienstleistungen, die T-Systems für andere Geschäftsbereiche der Deutschen Telekom erbrachte. Rund eine Milliarde Euro Umsatz gingen der Sparte verloren, weil der Konzern geschäftskritische Services künftig lieber selbst verantwortet. De facto wird dadurch eine Abspaltung erleichtert.

In der Folge rissen die negativen Schlagzeilen nicht ab. Im Herbst 2017 wurde bekannt, dass der Auftragseingang rund 23 Prozent unter dem Vorjahr liege und der Vertrag mit dem langjährigen CEO Reiner Clemens zum Jahresende nicht verlängert werde. Sein Nachfolger, der Ex-IBM-Manager Adel Al-Saleh, kündigte Medienberichten zufolge kurz nach Amtsantritt an, T-Systems in zwei Gesellschaften aufspalten zu wollen und das belastende IT-Outsourcing-Geschäft als eigenständige Gesellschaft aufstellen. Wenige Tage später wurde publik, dass der Großkunde ThyssenKrupp einen Sieben-Jahres-Vertrag mit T-Systems frühzeitig stornierte, der laut Medienberichten schätzungsweise 700 Millionen Euro wert gewesen sein soll. Beide Seiten führten dafür offiziell „veränderte Rahmenbedingungen auf dem Outsourcing-Markt“ an.

Strukturelle Schwächen brechen sich nun sichtbar Bahn

Offenbar brechen sich die strukturellen Schwächen von T-Systems in der IT-Division nun sichtbar Bahn. Weil dem Unternehmen eigene Ressourcen in der Systemintegration fehlten, schloss T-Systems 2008 eine „ strategische Kooperation“ mit dem indischen IT-Dienstleister Cognizant. Damit werde der Startschuss für die Neuausrichtung der T-Systems auf das Großkundengeschäft gegeben, hieß es damals. Doch die Allianz war nur von kurzer Dauer. 2013 wurde sie offiziell beerdigt. Die Wettbewerbsfähigkeit von T-Systems stand seitdem in Frage.

Andere Outsourcing-Services wie die Wartung & Pflege von PC-Arbeitsplätzen wiederum leiden zunehmend unter der stetig wachsenden Zahl an Cloud-Angeboten. Die Notwendigkeit der Vor-Ort-Einsätze sinkt schließlich mit jedem Arbeitsplatz, der seine Office-Anwendungen aus einem zentralen Rechenzentrum bezieht und keine dezentrale Wartung mehr benötigt.

Vor diesem Hintergrund spaltete T-Systems seine Aktivitäten 2015 in drei unabhängige Divisionen auf. Dadurch wurde die IT-Division organisatorisch und vertrieblich von den beiden Hoffnungsträgern abgegrenzt: einerseits von der Digital Division, die Cloud-Produkte für Großkunden entwickelt, sowie von der Telecommunications Division, in der das Telekommunikationsgeschäft mit Großkunden gebündelt wurde.

Das Wechselverhalten der Top-Manager verrät, welche Sparte noch Zukunft hat

Wie wenig Zukunft die IT-Division bei T-Systems offenbar hat, zeigte auch der überraschende Abgang von Ferry Abolhassan. Er hatte 2015 die Leitung der Division übernommen, wechselte im Herbst 2017 aber überraschend als Service-Chef zur Telekom Deutschland GmbH, die u.a. das Geschäft mit mittelständischen Kunden verantwortet. Hier erscheint die Lage wesentlich entspannter. Die Sparte, die bis 2008 ebenfalls zu T-Systems gehörte, dann aber zum Mutterkonzern Deutsche Telekom AG zurückkehrte, weist seitdem ein durchschnittliches Umsatzwachstum von 1,2 Prozent pro Jahr auf (-> Tabelle 2). Outsourcing spielt in diesem Bereich eine untergeordnete Rolle. Die Sparte verdient ihr Geld vor allem mit klassischen Telekommunikationsdienstleistungen.

Tabelle 2

Deutsche Telekom: Umsatz mit Geschäftskunden im operativen Segment Deutschland
Geschäftsjahr 1 Umsatz (Mrd. €)
2017 6,017
2016 5,923
2015 5,943
2014 5,726
2013 5,676
2012 5,680
2011 5.613
2010 5.661
2009 5.480
Quelle: Deutsche Telekom; 1 = Geschäftsjahr: bis 31. 12. 

 

Überhaupt scheint das Wechselverhalten von Top-Manager, die seit vielen Jahren dem Telekom-Konzern angehören, ein gutes Indiz dafür zu sein, welche Sparte noch Zukunft hat. Hier findet seit geraumer Zeit eine Abstimmung mit den Füßen ab. Im Mittelstandsgeschäft hat sich neben Abolhassan auch Hagen Rickmann etabliert. Der ehemalige Vertriebschef von T-Systems leitet seit 2015 den Geschäftskundenvertrieb der Telekom Deutschland GmbH.

Dieser Lesart folgend gilt auch die Zukunft der Telecommunications-Division bei T-Systems als sicher. Sie wird Anbeginn von Patrick Molck-Ude geleitet. Der Manager ist seit 14 Jahren im Konzern.

Erst gut drei Jahre ist dagegen Annette Bronder als Leiterin der Digital Division bei T-Systems an Bord. Allerdings muss auch sie sich um die Zukunft ihres Zuständigkeitsbereiches offenbar nicht fürchten. Schließlich zählt sie seit 2017 Dirk Backofen zu ihren engsten Mitarbeitern.

Backofen, einst Chef des Geschäftskunden-Marketings bei der Telekom Deutschland GmbH, leitet nun das Geschäftsfeld Telekom Security, das bis zum Wechsel Abolhassans in der IT-Division angesiedelt war. Auch er hat fast sein gesamtes Berufsleben bei der Deutschen Telekom verbracht.

IT Division: Mit François Fleutiaux zu Fujitsu?

Wie lange François Fleutiaux bei T-Systems tätig sein wird, ist dagegen äußerst fraglich. Er verantwortet die IT-Division seit September 2017 und kam neu ins Unternehmen. Die letzten fünf Jahre war er im europäischen Management des japanischen IT-Konzern Fujitsu tätig gewesen.

Fujitsu ist in Europa ein echter Gemischtwarenladen. In Ländern wie England und Skandinavien verdient der Konzern vor allem mit IT-Services sein Geld, im Rest Europas dagegen ist der Verkauf von IT-Hardware nach wie vor das Kerngeschäft. Die Übernahme der IT Division von T-Systems könnte das Service-Geschäft auch hier nach vorne bringen. Nicht auszuschließen daher, dass viele T-Systems-Kunden bald mit zu dem japanischen Dienstleister wechseln.

Veröffentlicht am 09.03.2018