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DIGI.REPORT


Easy Software AG / Profitabilität

Hiobsbotschaften zum Jahresbeginn

Eigentlich sollte die Easy Software AG in Mülheim / Ruhr längst fit für die Zukunft sein. Nun aber kann der Anbieter von Lösungen für das digitale Dokumenten-Management (DMS) seine Ergebnis-Versprechen wieder einmal nicht halten. Dennoch greift Konzern-Chef Dieter Weißhaar für den Erwerb der Apinauten GmbH tief in die Unternehmenskasse.

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Die Easy Software AG, führender DMS-Anbieter in Deutschland, hat die denkbar schlechtesten Neujahrsgrüße an ihre Aktionäre verschickt. Der Vorstand rechne „auf Basis der bisherigen Erkenntnisse“ mit zusätzlichen Einmalkosteneffekten von insgesamt rund einer Million Euro, heißt es in einer Firmenmitteilung. Der prognostizierte Gewinn vor Steuern, Zinsen und Abschreibungen (EBITDA) in Höhe von 0,4 bis 1,0 Million werde daher „höchstwahrscheinlich deutlich verfehlt“. Der Vorstand ziehe deshalb die Ergebnisprognose für das Geschäftsjahr 2018 zurück. Die Umsatzprognose hingegen wurde nicht korrigiert. Die Erlöse sollen zwischen 45 und 47 Millionen Euro liegen.

Schwer angeschlagen statt "Easy Fit"

Was ist los in dem Softwarehaus? Vier Jahre, von 2013 bis 2017, hatte man dort unter der Führung des früheren Konzernchefs Willi Cremers mehrere Millionen Euro in ein Sanierungsprogramm namens „Easy Fit“ und zahlreiche Übernahmen investiert. Nun aber ist sein Nachfolger Dieter Weißhaar offenbar vor allem damit beschäftigt, auszumisten und aufzuräumen.

Schon wenige Wochen nach seinem Amtsantritt im September 2018 kündigte Weißhaar „Umstrukturierungsmaßnahmen zur Optimierung der Kostenstruktur“ an. Zudem wurde die Ergebnis-Prognose nach unten korrigiert. Als Grund dafür wurde u.a. „die Unterauslastung im Consulting Bereich“ genannt. Einige Führungskräfte mussten gehen.

Statt einem Geiwinn droht nun sogar ein Verlust

Nur drei Monate später aber zeigt sich: Die Prognosen lassen sich immer noch nicht halten. Statt einem Gewinn droht nun in der Jahresbilanz sogar ein Verlust. Wie hoch der ausfallen könnte, weiß selbst das Management noch nicht. „Eine korrigierte Prognose ist aktuell nicht hinreichend sicher möglich, da die Gesellschaft die Abschlussbuchungen noch nicht fertiggestellt hat.“

Fraglich ist auch, was der Kauf der Apinauten GmbH in Leipzig für künftige Bilanzen bedeutet. Das Unternehmen bietet eine cloudbasierte Plattform, mit deren Hilfe die Entwicklung neuer, digitaler Geschäftsprozesse beschleunigt werden kann. Anders als in früheren Pressemeldungen hält sich Easy Software über den Jahresumsatz der Leipziger bedeckt. Nach unseren Schätzungen dürfte dieser bei rund vier Millionen Euro liegen. Dafür blättert Easy alles in allem die stolze Summe von rund 10,5 Millionen Euro hin.

Übernahme Apinauten GmbH: Kaufpreis toppt Jahresumsatz um ein Vielfaches

Für einen Kaufvertrag über 72,3 Prozent der Geschäftsanteile an der Apinauten GmbH überweist Easy Software sofort acht Millionen Euro. Weitere 850.000 Euro stellen die Mülheimer für die Ablösung von stillen Beteiligungen zur Verfügung. Dafür wird die Apinauten GmbH mit der 100 prozentigen Konzerntochter Easy Enterprise Services GmbH verschmolzen.

Im Jahr 2020, so die Vereinbarung, soll der Erwerb der verbleibenden Anteile erfolgen. Der Kaufpreis dafür beläuft sich nach Firmenangaben auf 360.000 Easy-Aktien bzw. deren Gegenwert per 30. Juni 2020. Zum heutigen Zeitpunkt ist dieses Aktienpaket rund 1,7 Millionen Euro wert – halb so viel wie noch vor wenigen Monaten. Der Aktienkurs ist zuletzt stark gefallen.

Kapitalerhöhung reicht bei Weitem nicht aus

Wie stark der Kauf künftige Bilanzen belastet, ist aktuell nicht abzusehen. So soll er auch durch eine Kapitalerhöhung finanziert werden. Die voraussichtlich rund eine Million neu auszugebenden Aktien (aktueller Wert: ca. 4,7 Millionen Euro) werden aber wohl nicht einmal die Hälfte der notwendigen Summe in die Kasse spülen. An einer millionenschweren Kreditaufnahme führt daher kein Weg vorbei.

Eines scheint sich bei Easy Software unter Weißhaar nicht zu ändern: Viel Geld gibt auch der neue Konzernchef gern aus.

Veröffentlicht am 15.01.2019




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